Fehler bei der Küchenplanung passieren schneller, als man denkt, und werden oft erst sichtbar, wenn die Küche längst eingebaut ist. Damit dir das nicht passiert, zeige ich dir in diesem Beitrag ein paar Tipps, die du beim Planen deiner Küche berücksichtigen solltest. So planst du nicht nur eine schöne Küche, sondern eine, die im Alltag wirklich funktioniert.
Bevor du planst: 3 Basics, die du unbedingt klären solltest
1) Wie nutzt du deine Küche wirklich?
Planung beginnt nicht bei der Frontfarbe, sondern bei deinem Alltag: Kochst du täglich oder selten? Brauchst du Platz für Backbleche, Küchenmaschine, Vorräte? Je klarer die Nutzung, desto besser die Planung.
2) Welche Geräte sind gesetzt – und welche Maße haben sie?
Viele Küchenplanung Fehler entstehen, weil Geräte „irgendwann“ ausgesucht werden. Besser: früh festlegen (oder zumindest Nischenmaße berücksichtigen), damit alles sauber passt.
3) Wo sind Anschlüsse, Fenster, Heizkörper, Türanschläge?
Die schönsten Entwürfe scheitern an der Realität. Ein exaktes Aufmaß inklusive Fensterbank, Heizkörper, Steckdosen und Türanschlägen spart später Stress und Umbaukosten.
Gute Küchenplanung ist weniger Deko, sondern mehr Funktionalität, Wege, Höhen, Licht und Stauraum.
Die 22 häufigsten Fehler bei der Küchenplanung
1) Zu spät mit der Planung anfangen
Insbesondere bei einem Neubau oder bei einer Sanierung solltest du früh mit der Planung starten, solange die Elektrik und die Wasseranschlüsse noch nicht installiert sind bzw. angepasst werden können.
Zudem führt Zeitdruck oft zu Kompromissen, wenn es z.B. zu Lieferengpässen oder Dienstleisterausfällen kommt.
2. Arbeitsdreieck nicht beachten
Spüle, Herd und Kühlschrank sind die Hauptstationen in der Küche. Liegen sie ungünstig, läufst du ständig unnötige Wege. Platziere diese drei Stationen deshalb so, dass sie innerhalb des Arbeitsdreiecks liegen. Wobei eine Seite des Dreiecks maximal 1,5 m oder die Gesamtlänge maximal 7 m lang sein sollte.
3. Zu schmale Gänge
Die Mindestbreite für die Durchgänge sollte 90 cm sein. So kannst du dich bequem innerhalb der Küche bewegen und Schubladen und Schränke öffnen. Achte darauf, besonders wenn du überlegst, eine Kücheninsel einzubauen oder eine große Essgruppe hinzustellen.
4) Wände, Fensterbänke, Heizkörper & Co nicht beachten
Fenstergriffe, Heizkörper, Vorsprünge, aufgesetzte Griffe sind Klassiker, die oft übersehen werden. Schnell lassen sich Türen oder Schubladen nicht mehr öffnen. In meiner Küche zum Beispiel lässt sich die Tür unter der Spüle wegen eines Heizkörpers nicht komplett öffnen. Das bedeutete bei meiner Planung, dass ein Müllsystem zum Ausziehen leider nicht infrage kam.
Mein Tipp: Plane deine Arbeitsplatte bündig zu Fensterbank oder mit Übergang in die Fensterbank. Das sieht besonders harmonisch aus. Achte aber darauf, dass das Fenster sich immer noch öffnen lässt.
5) Oberschränke nicht bis zur Decke
Der aktuelle Trend geht zwar eher komplett gegen Oberschränke, doch sind wir ehrlich, nicht jeder hat so eine große Küche, dass er auf den Stauraum verzichten kann. Und das ist auch der Hauptgrund, aus dem ich immer Oberschränke bis zur Decke planen würde. So wird die Raumhöhe perfekt ausgenutzt. Die Küche wirkt optisch ruhiger und es entsteht oben keine Staubkante.
6) Türen bei Unterschränken
Bei Unterschränken sind Schubladen fast immer die bessere Wahl. Auszüge sind übersichtlicher, ergonomischer und nutzen den Platz besser. Du kommst viel besser an Geschirr und Co. dran.
7) Falsche Öffnungsmechanismen
Push-to-open sieht clean aus, kann aber im Alltag nerven. Zum einen sieht man auf vielen Fronten die Fingerabdrücke extrem. Zum anderen kommt man bei den Unterschränken schnell mal mit dem Knie dran und du hast ständig aufspringende Türen oder Auszüge.
Bei den Oberschränken ist die Kippöffnung nach oben auch nicht immer praktisch. Die geöffnete Tür kann zu weit oben sein, sodass man nicht mehr zum Schließen drankommt. Oberschränke mit diesem Öffnungsmechanismus können nicht bis zur Decke eingebaut werden und sind im Vergleich Stauraum-Verlierer.
Mein Tipp: Oberschränke mit nach unten verlängerter Front sind perfekt für alle, die cleanes Design ohne Griffe mögen.
8) Keine Symmetrie bei Schränken und Schubladen
Unruhige Frontlinien lassen selbst teure Küchen „zusammengewürfelt“ wirken. Symmetrie und klare Raster machen eine Küche automatisch hochwertiger. Plane Linien bewusst – besonders bei Hochschränken und Auszügen.
9) Zu hohe oder zu niedrige Arbeitsplatte
Die Arbeitshöhe entscheidet über angenehmes Arbeiten in der Küche. Überlege dir deshalb genau, wer die meiste Zeit in der Küche verbringt, und richte die Arbeitsplattenhöhe an der Körpergröße der Person aus. Als ergonomisch gilt ein ca. 15 cm. Abstand ab dem angewinkelten Ellenbogen.
Wird die Küche von mehreren Personen mit sehr unterschiedlichen Körpergrößen genutzt, können höhenverstellbare Arbeitsplatten die Lösung sein.
10) Zu wenig Arbeitsfläche
Aus meiner Sicht kann man nicht genug Arbeitsfläche haben. Was auf den ersten Blick nach viel aussieht, kann nach dem Einbauen der Spüle und des Herds sowie nach dem Hinstellen von Kaffeemaschine, Wasserkocher und Co. schnell zu wenig sein. Vor allem neben dem Herd und neben der Spüle sollte genug Platz sein, um dort Lebensmittel bzw. Kochutensilien ablegen zu können.
11) Zu weit rein gesetzte Spüle
Wenn die Spüle zu tief sitzt, beugst du dich zu weit nach vorn. Das führt zu Rückenschmerzen. Optimal ist der Abstand von maximal 10 cm. zur Vorderkante deiner Arbeitsplatte.
12) Zu hoch gesetzter Ofen
Zu hoher Ofen ist nicht sicher beim Herausziehen heißer Bleche. Er sollte so sitzen, dass du gut hineinschauen und Bleche kontrolliert herausnehmen kannst.
13) Ofen neben Gardinen
Hitze, Fett und Gardinenstoff sind keine gute Kombination. Das kann nicht nur unpraktisch sein, sondern auch gefährlich werden. Besser: Abstand halten oder auf textile Deko in unmittelbarer Nähe verzichten.
14) Beleuchtung zu nah an die Wand
Wenn Licht nur die Wand anstrahlt, bleibt die Arbeitsfläche schattig. Plane Arbeitslicht so, dass es wirklich dort ankommt, wo du schneidest und kochst – nicht nur „für Stimmung“. Optimal sind Lichtleisten 8-12 cm von der Wand bzw. der Hinterwand des Oberschranks entfernt, abhängig von Schranktiefe und Lichtprofil.
15) Keine Lösung für Müll
Abfälle und Müll entstehen in jeder Küche und du solltest unbedingt an eine Lösung für Müll denken. Der typische Platz unter der Spüle ist schnell nicht ausreichend, wenn ein Wasserfilter oder Cooker eingebaut wird.
16) Zu wenige Steckdosen
Steckdosen kann man in der Küche fast nie genug haben. Klassiker: Wasserkocher + Kaffeemaschine + Airfryer – und dann ist alles voll. Überlege deshalb ganz genau, wie viele Geräte du täglich nutzt und wie viele Steckdosen dafür benötigt werden. Plane lieber mehr ein, als du heute brauchst.
Mein Tipp: Versteckte oder versenkbare Steckdosenleisten lassen sich platzsparend und elegant einbauen. So sind immer genug Steckdosen vorhanden, die Küchenwände sind aber nicht mit ihnen zugekleistert.
17) Falsch platzierte Steckdosen
Steckdosen direkt hinter dem Herd sind zwar praktisch, aber werden beim Kochen vollgespritzt und müssen ständig geputzt werden. Besser eine Steckdose mit Abstand von 10 cm vom Herd. Zu weit weg von der Arbeitszone bringen dir die Steckdosen ebenfalls nichts. Platziere sie dort, wo du Geräte wirklich nutzt: Frühstücksbereich, Arbeitszone, ggf. Insel.
18) Keine Staumöglichkeiten für Küchenmaschinen
Ohne Stauraum stehen Geräte dauerhaft auf der Arbeitsfläche, obwohl sie nicht jeden Tag gebraucht werden. Und genau die fehlt dann beim Kochen. Zudem sieht es oft unruhig und unordentlich aus. Plane breite Auszüge oder eine „Gerätegarage“, für alle Geräte, die du hast.
19) Kein Dunstabzug
Gerüche und Feuchtigkeit sind in offenen Wohnküchen besonders präsent. Viele unterschätzen das. Prüfe früh, ob Abluft möglich ist, bzw. berücksichtige eine Abluftmöglichkeit bei einem Neubau. Unterschiedliche Systeme erfordern unterschiedliche Lösungen. Wenn du Geräte mit Umluft planst, achte auf gute Leistung und Filterqualität.
Ich persönlich bevorzuge aus ästhetischen Gründen Herdplatten mit integrierten Dunstabzügen. Sie haben aber nicht nur minimalistisches Design, sondern ermöglichen einen zusätzlichen Oberschrank über dem Herd.
20) Spülmaschine zu weit von der Spüle
Das klingt banal, ist aber ein echter Alltagskiller: Du tropfst durch die Küche und räumst unlogisch ein. Idealerweise sitzt die Spülmaschine direkt neben der Spüle.
21) Standardmaße von Elektrogeräten nicht beachten
Elektrogeräte gibt es in unterschiedlichen Standbreiten und -höhen. Je nachdem, welche Geräte du einsetzen möchtest, brauchen die entsprechenden Nischen mehr oder weniger Platz. Darum: Geräteauswahl und Küchenplanung immer zusammen denken.
22) Sockel nicht nutzen
Ich frage mich, warum der Trend zur Nutzung der Sockelhöhe für zusätzlichen Stauraum erst vor Kurzem entstand. Besonders bei einem hohen Sockel ist der Raum hervorragend für weitere Schubladen.
Küchenplanung Fehler vermeiden: Checkliste vor der Bestellung
✅ Arbeitsdreieck logisch, keine Kollisionen
✅ Arbeitsfläche neben Herd & Spüle eingeplant
✅ Arbeitshöhe passt (Richtwert: 10–15 cm unter Ellenbogen)
✅ Licht auf Arbeitsflächen geplant
✅ Mülllösung in Griffnähe
✅ Steckdosen: Anzahl + Platzierung geprüft
✅ Geräte-Maße/Nischen/Anschläge geprüft
✅ Stauraum für Küchenmaschinen gelöst
✅ Gänge mindestens 90 cm (besser mehr bei Insel)
✅ Sockel/Oberschrank-Höhe sinnvoll genutzt
Fazit: Eine gute Küche ist die, die im Alltag funktioniert
Wenn du nur einen Küchenplanung Tipp mitnimmst, dann diesen: Plane immer von deinen Abläufen aus – nicht von der Optik. Wenn du die Punkte oben einmal sauber prüfst, sparst du dir viele der klassischen Fehler bei der Küchenplanung.
Häufige Fragen zur Küchenplanung (FAQ)
Was sind die häufigsten Fehler bei der Küchenplanung?
Zu spät beginnen, Arbeitsdreieck ignorieren, zu wenig/ungünstige Steckdosen, falsche Arbeitshöhe, fehlende Müll- und Stauraumlösungen.
Welche Küchenaufteilung ist am praktischsten?
Am praktischsten ist eine Küche, die an deine Bedürfnisse und deine Gewohnheiten angepasst ist. Ergonomische Arbeitshöhe (ca.15 cm. ab dem angewinkelten Ellenbogen) und die Anordnung im Bereich des Arbeitsdreiecks (kurze Entfernung zwischen Spüle, Kochfeld und Kühlschrank) sind praktisch im Alltag.
Was ist die Goldene Regel für die Küchenplanung?
Die Goldene Regel der Küchenplanung ist das Arbeitsdreieck, das die optimale Anordnung von Kühlschrank, Spüle und Herd beschreibt. Um Wege zwischen den 3 wichtigsten Punkten in einer Küche zu minimieren, sollte sie so angeordnet sein, dass sie ein Dreieck mit einer Seitenlänge von maximal 1,5 m ergeben.
Wo kann ich meine Küche online planen?
Es gibt mehrere Möglichkeiten, seine Küche online zu planen.
Hersteller: Nobilia Küchenplaner, Nolte Küchenplaner, Ikea Küchenplaner.
Oder auch Vertriebler: Höffner Planungstool.
Ich empfehle dir, die Online Tools für den ersten Entwurf zu nutzen und dich anschließend in einem Küchenstudio deines Vertrauens beraten zu lassen.
Welche Geräte dürfen in der Küche nicht nebeneinanderstehen?
Kühlschränke sollten möglichst nicht neben dem Ofen platziert werden. Auch eine Spülmaschine direkt neben dem Ofen oder neben dem Kühlschrank ist wegen der Hitze und Feuchtigkeit keine gute Entscheidung.
Wo soll der Geschirrspüler in der Küche stehen?
Der Geschirrspüler sollte am besten neben der Spüle platziert werden.


